Kinder und Geld
Vielleicht hast du dir schon mal überlegt, etwas Geld für dein Kind zur Seite zu legen, um es diesem bei Volljährigkeit zu übergeben, den Führerschein zu finanzieren oder sogar ein Auto zu kaufen.
Bevor du damit anfängst, solltest du ein paar Punkte beachten und während der Sparphase deinem Kind den richtigen Umgang mit Geld lehren. Das soll nicht nur verhindern, dass das über Jahre angesparte Geld dann zum Fenster rausgeworfen wird, sondern hilft deinem Kind, auch in Zukunft richtig mit Geld umzugehen und dadurch mehr Freiheit und Unabhängigkeit zu erlangen.
Wie mit fast allem anderen auch, ist der Umgang mit Geld reine Lern- und Gewohnheitssache.
Wer mit einer guten Einstellung zu Geld aufwächst, wird es im Leben später einfacher haben, denn noch immer ist der Glaubenssatz "Geld ist die Wurzel allen Übels" in Deutschland weit verbreitet. Haben die Eltern eine solche Einstellung, überträgt sich das auch auf das Kind. Gerade in Haushalten, in denen das Geld knapp ist und deshalb vielleicht sogar öfters gestritten wird, weil Rechnungen nicht bezahlt werden können, bekommen Kinder ein sehr schlechtes Bild vom Geld. Während für manche das Geld für Erfolg, Freiheit und Unabhängigkeit steht, denken andere nur an Neid, Abhängigkeit und Angst.
Merke dir hierzu folgendes:
Geld ist weder schlecht noch gut. Es ist völlig neutral und lediglich ein Werkzeug.
Wie ein Messer. Man kann es zum Kochen oder Schnitzen verwenden, aber damit auch einen Mord verüben. Dafür kann aber das Messer nichts.
Geld ist wie das Messer. Du kannst damit Positives tun und dadurch mehr Freiheit und Unabhängigkeit erlangen oder anderen helfen, aber es können damit auch Kriege und Waffen finanziert werden.
Tipp!
Vor allem in der Familie sollte man offen über Geld sprechen können.
Es sollte nicht zum Tabuthema gemacht werden.
Das ist besonders für das spätere Berufsleben wichtig und auch, um dem Kind zu vermitteln, dass Menschen sich nicht über Geld definieren. Geld macht uns nicht zu einem besseren, aber auch nicht schlechteren Menschen.
Über 70% der jungen Menschen zwischen 20 und 25 Jahren sind in Deutschland verschuldet.
Auch das verdanken wir der heutigen Konsumgesellschaft. So verbauen sich junge Menschen schnell ihre Zukunft.
Um Kindern einen solch schweren Start ins Leben zu ersparen, ist es wichtig, über Geld und Finanzen zu sprechen!
Um Kindern den Umgang mit Geld bestmöglich zu lehren, ist es nicht ratsam, ihnen große Finanzvorträge zu halten, sondern das Thema in den Alltag einzubinden.
Beginnend mit dem Taschengeld. Dadurch lernt das Kind, dass das Geld nur begrenzt zu Verfügung steht und mit der Zeit wird es lernen, sparsamer damit umzugehen, damit auch noch am Ende des Monats etwas übrig bleibt. Für größere Ziele, wie zum Beispiel eine Spielkonsole o.ä., soll das Kind dann selbst Geld beiseite legen und geduldig sparen.
Unser heutiges Konsumverhalten hat uns sehr ungeduldig gemacht. Wir wollen alles sofort haben. Mit Geduld auf etwas hinzusparen und es uns dann leisten zu können (ohne einen Kredit aufzunehmen), lässt uns das gekaufte viel mehr schätzen und ist gut für den Charakter. Oft war zu beobachten, dass sich Kinder dann doch gegen einen Kauf des entsprechenden Spielzeugs entschieden haben, da das Sparen so mühevoll war und man nicht wollte, dass das Geld dann weg ist.
Mit zunehmendem Alter macht es Sinn, dem Kind mehr Eigenverantwortung zu übertragen. Ein Beispiel hierfür wäre das Taschengeld aufzustocken und dem Kind ab sofort die Verantwortung über seine Handyrechnung zu geben.
Möchte dein Kind mehr Geld zur Verfügung haben, muss es dann eben nebenbei Geld durch einen kleinen Job hinzuverdienen. Sei hierbei standhaft und gib nicht nach, wenn das Geld zu früh ausgegeben wurde. Damit muss das Kind zurechtkommen und seine Lehre daraus ziehen.
Da auch unser Geldsystem immer digitaler wird, kann es durchaus Sinn machen, das Kind mithilfe eines Junior-Girokonto auf die Zukunft vorzubereiten.
Auch eine Prepaid-Karte ist anstatt von Bargeld als Taschengeld eine digitale Möglichkeit, bei welcher das Kind lernt, dass Geld nicht unbegrenzt zur Verfügung steht.

Mit diesem Buch lernen bereits Kinder spielerisch den Umgang mit Geld. Der Autor Bodo Schäfer, genannt "der Money-Coach", erklärt Menschen seit etwa 20 Jahren wie Geld und Wohlstand funktionieren. Und das mit Erfolg.
Vorsicht beim Sparen fürs Kind
Von Versicherungen ist hierbei für den Vermögensaufbau zumeist abzuraten.
Diese sind oft viel zu teuer und locken den Kunden gern mit emotionalem Marketing und Namen wie Junior-Sparplan oder Ausbildungsversicherung.
Letztlich stecken dahinter einfache Lebens- oder Rentenversicherungen, die im Vergleich zur Rendite viel zu viel kosten.
Auch für die Altersvorsorge des Kindes gibt es weit bessere Anlagemöglichkeiten als eine Versicherung.
Auch das Sparbuch stellt längst keine lohnenswerte Anlagevariante mehr dar.
Denn die Zinsen sind einfach viel zu niedrig oder erst gar nicht vorhanden.
Hast du noch mehr als 10 Jahre Zeit, für dein Kind zu sparen, ist ein Depot inkl. eines Sparplans auf einen kostengünstigen Indexfonds empfehlenswert.
Bist du finanziell gut aufgestellt?
Trag dich ein und erhalte eine gratis Checkliste, um zu prüfen wie gut du finanziell dastehst.
So geht’s!
Es gibt keinen Grund, eine andere Variante des Sparens für das Kind zu wählen, als diese, die man selbst auch nutzt.
Im Folgenden erfährst du Schritt für Schritt wie du vorgehen kannst:
Schritt 1: Sparziel festlegen
Für was genau soll das Geld angelegt werden?
Für den Führerschein? Für die Ausbildung oder das Studium? Für ein Auto? Oder für etwas ganz anderes?
Lies dir hierzu auch unseren Artikel Zielsparen durch.
Schritt 2: Anlagehorizont bestimmen
Wie lange hat das Geld Zeit, für dich zu arbeiten? Bzw. wann soll das Kind das Geld erhalten?
weniger als 10 Jahre > Festgeld oder/und Juniorgirokonto
(manche Banken geben für Minderjährige bis zu einem bestimmten Betrag noch Zinsen zwischen 0,5-1,5%)
länger als 10 Jahre > Depot
Bei einem längeren Zeitraum macht es Sinn, das Geld in Aktien zu investieren bzw. in sogenannte ETFs, welche einen Markt abbilden. Da langfristig gesehen diese Märkte und Aktien steigen und ETFs für gewöhnlich breit gestreut sind (also nicht alles auf eine Karte setzen), ist das Risiko geringer und eine hohe Rendite möglich.
Außerdem bietet diese Anlage hohe Flexibilität. Man kann einen Teil verkaufen, um den Führerschein zu finanzieren und den Rest kann das Kind gleich als Altersvorsorge fortführen.
Umsetzung in der Praxis
Junior Depot
Das Junior-Depot läuft auf den Namen des Kindes und somit gehört das Geld auch dem Kind. Die Eltern haben über das Vermögen bis zur Volljährigkeit des Kindes eine Verwaltungs-Vollmacht.
Mit Vollendung des 18. Lebensjahres kann das Kind dann frei über das Geld verfügen.
Das kann steuerlich von Vorteil sein. Denn auf Kapitalerträge muss man eine Steuer von über 26% bezahlen. Allerdings stehen jedem Menschen von Geburt an ein Sparer-Pauschbetrag in Höhe von 801€ für Kapitalerträge und ein Grundfreibetrag in Höhe von 9.984€ (Stand: 2022) pro Jahr zur Verfügung.
Also können pro Jahr Ausschüttungen/ Gewinne in Höhe von 10.785€ steuerfrei erfolgen. Hierbei lohnt es sich, beim Finanzamt direkt eine NV-Bescheinigung zu beantragen.
Achtung:
Wenn das Kind irgendwann mal Bafög beantragen möchte, darf das Vermögen des Kindes zu diesem Zeitpunkt den Betrag von 8.200€ nicht übersteigen. Sollten die Eltern zu den „Gutverdienern“ gehören, ist die Chance auf Bafög ohnehin gering.
Achtung:
Erhält das Kind einen Verdienst oder Ausschüttungen in Höhe von mehr als 470€ pro Monat (2022), fällt das Kind aus der Familienversicherung heraus und braucht einen eigenen Versicherungsvertrag.
Bei Privatversicherten haben die Kinder sowieso einen eigenen Vertrag.
Eigenes Depot
Dieses Depot läuft auf den Namen der Eltern.
Das Geld gehört also die ganze Zeit zum Vermögen der Eltern und muss ggf. auch als dieses versteuert werden.
Bei besonders großen Vermögen, die später mal auf das Kind überschrieben werden sollen, ist zudem zu beachten, dass eine Schenkungssteuer anfallen kann.
Es gibt hierfür aber auch Steuerfreibeträge, innerhalb derer keine Steuer zu entrichten ist.
Bei einem Übertrag von Eltern auf das Kind gibt es einen Freibetrag von 400.000€, innerhalb dessen keine Steuern anfallen.
Ein großer Vorteil des eigenen Depots ist, dass die Entscheidung, wann, wie und in welcher Summe das Geld an das Kind ausgezahlt wird, bei den Eltern bleibt.
Die Frage ist also, ob man seinem Kind den verantwortungsvollen Umgang mit dem Geld zutraut.
Es kann helfen, das Kind bereits früh an das Thema Finanzen heranzuführen.
Bei der Junior Depot Variante entfällt nämlich mit Vollendung des 18. Lebensjahres das Mitspracherecht der Eltern.
Die Entscheidung
Grundsätzlich musst du dir nur zwei Fragen stellen:
1. Möchte ich, dass mein Kind mit 18 automatisch an das Geld kommt?
(Nein -> Eigenes Depot / Ja -> Junior Depot)
2. Möchte ich die steuerlichen Vorteile nutzen?
(Nein -> Eigenes Depot / Ja -> Junior Depot)
Tipp!
Wenn das Geld für einen bestimmten Zweck (z.B. Führerschein) angelegt wird, sollte man sichergehen, dass das Geld zum gewünschten Zeitpunkt auch zur Verfügung steht.
Das gelingt ganz einfach, indem man kurz vor dem gewünschten Zeitpunkt Stück für Stück aus den Aktien aussteigt und in liquides Vermögen umwandelt, also Anteile verkauft.
Steht der Markt ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, an dem man das Geld benötigt, schlecht, ist man gezwungen, den Verlust zu realisieren. Genau das gilt es mit einem vorzeitigen und schrittweisen Ausstieg zu vermeiden.
Beispiel:
Der kleine Nik ist heute 5 Jahre alt geworden und seine Eltern sind sich einig. Sie wollen ihm zum 18. Geburtstag ein großes Geld-Geschenk überreichen.
Zum einen soll davon der Führerschein bezahlt werden, zum anderen soll Nik das angelegte Geld einfach übernehmen und für später weitersparen (z.B. für die Altersvorsorge oder ein mögliches Studium.)
Für den Führerschein rechnen wir mit ca. 2.500€ und für ein mögliches Studium ca. 10.000€.
Bis zum 18. Geburtstag haben die Eltern noch 13 Jahre Zeit.
Um in 13 Jahren die geplanten 12.500€ zu erreichen, müssten die Eltern also, ohne Zinsen, etwa 82€ im Monat sparen.
Da die Laufzeit länger als 10 Jahre beträgt, legen die Eltern 80€ im Monat in ETFs an.
Mit einer vorsichtig geschätzten jährlichen Rendite von 5%
(Die jährliche Durchschnittsrendite des MSCI World Index der letzten 10 Jahre lag bei 11,02%)
kommen wir so auf eine Endsumme von 17.529€.
(Beispielrechnung bei durchschnittlich 10% p.a. = 25.436€)
Natürlich kann in genau der Phase, in welcher das Geld benötigt wird, gerade eine Flaute am Markt oder sogar ein Crash stattfinden. Dann sind die Anteile weniger wert, aber nicht verloren. Jetzt heißt es durchhalten und abwarten, bis die Preise wieder steigen.
Natürlich ist das für den Führerschein sehr ärgerlich, da man in einer solchen Phase die Anteile nicht billig verkaufen möchte, was ja bedeutet, dass man den Verlust dann wirklich realisiert. Deshalb empfehlen wir schon einige Monate vor dem gewünschten Datum (oder auch früher), Stück für Stück Anteile zu verkaufen, um wieder mehr Liquidität für das Sparziel aufzubauen.
Fazit:
Auch kleinere Beträge können sich langfristig zu einer überraschend großen
Endsumme anhäufen. Je früher man anfängt, desto besser.

