Was ist eine Private Krankenversicherung?
Die private Krankenversicherung gehört wohl zu den bekanntesten und zugleich umstrittensten Versicherungen in Deutschland.
Denn privat Krankenversicherte erhalten eine weit bessere medizinische Versorgung als gesetzlich Krankenversicherte.
Und das ist im Groben auch der wesentliche Unterschied dieser beiden Varianten.
PKV = Premium-Versorgung
GKV = Standard-Versorgung
Hier entsteht die Kritik an einer sog. Zweiklassengesellschaft.
Denn nur Studenten, Beamte, Unternehmer und Gutverdiener haben die Wahl zwischen privater und gesetzlicher Versorgung.
Es gibt allerdings auch die Möglichkeit eines Upgrades für die gesetzliche Krankenversicherung.
Dieses Upgrade kann jeder bekommen.
Um die PKV zu erhalten, müssen allerdings ein paar Voraussetzungen erfüllt werden.
Außerdem sollte man sich der Tatsache bewusst sein, dass diese private Versicherung, je nach Ausstattung, langfristig betrachtet um einiges teurer ist als der gesetzliche Schutz.
Leistung hat eben seinen Preis und wer für sich und evtl. auch seine Familie die bestmögliche medizinische Versorgung möchte, muss etwas tiefer in die Tasche greifen.
Wer darf sich privat krankenversichern?
Angestellte haben die Möglichkeit erst ab einem Jahreseinkommen von 66.600€ (Stand 2023).
Hauptberuflich Selbstständige und Freiberufler haben die Wahl zwischen der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherung unabhängig vom Einkommen.
Auch Studenten haben zu Beginn des Studiums die Wahl zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung.
Als Student bist du während des Studiums an diese Entscheidung gebunden.
In den meisten Fällen ist jedoch die gesetzliche die richtige Wahl.
Wenn deine Eltern allerdings verbeamtet sind, kann es durchaus Sinn machen, eine private Krankenversicherung zu wählen, da es durch das Beamtentum eine Beihilfe vom Dienstherren für die Kinder von bis zu 80% gibt.
Da Beamte eine Beihilfe von 50% erhalten, ist für diese in der Regel die private Krankenversicherung die bessere Wahl.
Denn die meisten finanziellen Nachteile, die durch eine PKV entstehen können, gelten für Beamte nicht.
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Vorteile der PKV
- Bessere Leistungen/ Bevorzugte Behandlung
- Die PKV bietet dir garantierte Leistungen und einen „fixen“ Beitrag
- Die Leistungen kannst du vorab frei wählen (Je mehr Leistungen du möchtest, desto teurer wird der Tarif)
- Da hier ein Vertrag mit einer Versicherung geschlossen wird, kann die Leistung auch nicht einfach gekürzt werden. Du bekommst, wofür du bezahlst.
Bist du in der gesetzlichen Krankenkasse versichert, hast du keinen Vertrag.
Es ist eine Art Gemeinschaft, die auch Leistungen kürzen kann, um so zahlungskräftig für alle anderen Mitglieder zu bleiben. Das nennt man Solidarprinzip. - Die PKV zahlt unter anderem auch für Spezialisten und besondere Verfahren, die die gesetzliche Krankenversicherung nicht bezahlt. Du bekommst also Zugang zu Spitzenmedizin.
Ein weiterer Vorteil ist, dass Ärzte bei Patienten mit einer PKV mehr abrechnen können, also mehr an dir verdienen.
Das führt natürlich dazu, dass du schneller an Termine kommst und kürzere Wartezeiten hast.
Es werden außerdem bessere Leistungen beim Thema Zahnersatz geboten.
Da die gesetzliche Krankenversicherung nur das Minimum an Leistung übernimmt, würden Ärzte ab einem bestimmten Punkt Verlust mit deiner Behandlung machen, da die GKV mehr einfach nicht bezahlt.
Somit wollen dich Ärzte relativ zügig wieder loswerden.
Bei Privatpatienten hingegen kann der Arzt mehr abrechnen und sich somit mehr Zeit nehmen und auch bessere medizinische Leistungen bieten, da dies durch die PKV bezahlt wird.
Nachteile der PKV
Steigende Beiträge
Der Beitrag verdoppelt sich in der Regel alle 15 Jahre und das auch, wenn man in den Ruhestand geht.
Die drei Hauptgründe für die Beitragserhöhungen sind:
- im Alter steigen der medizinische Bedarf und somit auch die Kosten für die Versicherung
- Inflation
- Medizinischer Fortschritt
Aber:
Auch der Beitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung steigt jährlich an.
Und das in einer ähnlichen Größenordnung von ca. 3% p.a.
Allerdings ist der Beitrag in der GKV einkommensabhängig und somit gedeckelt.
Das heißt, im Rentenalter, wenn man weniger verdient, zahlt man auch weniger Beitrag.
Bei der PKV zahlt man den vollen und erhöhten Beitrag. Das muss man vorher einkalkulieren und ggf. Rücklagen bilden bzw. die Altersvorsorge aufstocken, um sich die Beiträge auch später noch leisten zu können.
Die Beitragsbemessungsgrenze liegt 2023 bei 4.987,50€.
Das bedeutet, dass der höchste Beitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung bei 807,98€ pro Monat liegt.
Achtung:
Jede Krankenkasse schlägt nochmal einen Zusatzbeitrag auf den gesetzlich bestimmten Beitragssatz obendrauf.
Dieses Beispiel hilft dir bei der späteren Berechnung für deine Entscheidung weiter.
Rechenbeispiel:
Angestellt, 35 Jahre alt
Beitrag zur PKV jetzt: 550€ p.M.
Beitrag zur PKV mit 67: ca. 1.200€ p.M.
Wer sich eine PKV leisten möchte muss gezwungenermaßen viel mehr für die Altersvorsorge tun, um sich auch später noch die Beiträge leisten zu können.
Die Entscheidung für eine PKV sollte also möglichst parallel zur Umsetzung einer passenden Altersvorsorge-Strategie stattfinden.
Familienplanung
In der gesetzlichen Krankenversicherung sind Kinder idR kostenlos in der Familienversicherung mitversichert.
Eine Familienversicherung gibt es in der PKV allerdings nicht.
Das heißt, dass du für jedes Kind einen eigenen Vertrag benötigst.
Da kommen pro Kind nochmal gut 100€-200€ p.M. auf dich zu.
Aufwand
Bei der PKV musst du Rechnungen zunächst mal selbst bezahlen.
Die Rechnung reichst du dann bei deiner Versicherung ein und bekommst anschließend das Geld erstattet.
Du musst also immer erstmal in Vorleistung gehen und dementsprechende Rücklagen haben.
Beitragszahlung bei Berufsunfähigkeit
Im Falle einer Berufsunfähigkeit müssen PKV-Beiträge ganz normal weitergezahlt werden.
Das stellt eine zusätzliche finanzielle Belastung dar.
Tipp!
Die Entscheidung für eine PKV solltest du unbedingt vor dem 35. Lebensjahr treffen, damit du noch genug Zeit hast, um Altersrückstellungen zu bilden und dich um deine Altersvorsorge zu kümmern.
Ein Umstieg von der GKV in die PKV ist idR kein Problem.
Eine Rückkehr von der PKV in die gesetzliche Krankenversicherung ist allerdings sehr schwierig.
Ab einem Alter von 55 Jahren ist das so gut wie unmöglich.
Was sollte man beachten?
Altersrückstellungen
Ohne Altersrückstellungen ist der Beitrag zu Beginn etwas günstiger.
Langfristig gesehen wird dieser Beitrag allerdings steigen, da eben keine Rückstellungen durch die Versicherungen gebildet worden sind und auch steigende Gesundheitskosten noch mit abgedeckt werden müssen.
Ein Tarif mit Altersrückstellungen bildet eben diese Rücklagen für später und kann den Beitrag so auf einem stabilen Niveau halten. Deshalb ist dieser Tarif von Anfang an etwas teurer.
Du kannst dich auch gegen die Altersrückstellungen entscheiden und alternativ zusätzlich einen Sparplan verfolgen, um dich eben um diese Rückstellungen für später selbst zu kümmern.
Der Vorteil hierbei wäre, dass du das Geld selbst anlegen kannst und somit eine Chance auf höhere Renditen hast.
Altersrückstellungen durch die Versicherung sind wie eine Geldanlage bei der Versicherung, die natürlich nicht so viel Rendite bieten kann, da sie dir den Beitrag garantieren muss und somit am Kapitalmarkt nicht so viel Risiko eingehen kann.
Für welche Variante (Selbst sparen oder über Versicherung sparen) du dich letztlich entscheidest, liegt einfach daran, wie diszipliniert du sparen kannst.
Traust du es dir zu, bis zur Rente monatlich nur für deine PKV etwas beiseite zu legen und das Geld während dieser Laufzeit nicht anzufassen, ist das selbstständige Sparen die richtige Variante für dich.
Bist du dir unsicher, wähle lieber einen Vertrag mit Rückstellungen.
In diesem Fall: Lieber mehr Sicherheit und dafür weniger Rendite. Denn hast du einmal das Rentenalter erreicht, ist es zu spät, um noch etwas anzupassen.
Krankentagegeld
Wer privat krankenversichert ist, muss eines unbedingt beachten.
Bei einer Krankheit zahlt dein Arbeitgeber dein Gehalt bis zu 6 Wochen normal weiter. Dauert die Krankheit länger als 6 Wochen, zahlt in der Regel die gesetzliche Krankenkasse 70%-90% deines Gehalts weiter. Als Privatversicherter bekommst du allerdings keine Leistung von der gesetzlichen Krankenkasse.
Somit würdest du ab der 7. Woche gar kein Geld mehr erhalten. In den meisten Fällen bieten Private Versicherer ein Krankentagegeld automatisch mit an. Vergewissere dich trotzdem und vergleiche, ob du diese Versicherung nicht lieber separat abschließt. Die Versicherung, bei der du die private Krankenversicherung abschließt, muss nicht auch gleich gute Bedingungen für eine Krankentagegeldversicherung bieten.
Zahnstaffel
Bei der PKV gibt es die Möglichkeit, zum Versicherungsbeginn eine sogenannte Zahnstaffel im Vertrag zu vereinbaren.
Das heißt, dass die Versicherung anfangs nur bis zu einem bestimmten Höchstsatz leistet.
Beim Zahnarzt zum Beispiel im ersten Jahr max. 500€, im zweiten Jahr 1.000€ und dann ab dem 5. oder 6. Jahr sogar unbegrenzt.
Oft grenzen Versicherungen diese Höchstsätze dauerhaft ein. Mit der Zahnstaffel hast du die Möglichkeit, zumindest nach ein paar Jahren Leistung in unbegrenzter Höhe zu erhalten.
Darauf solltest du beim Abschluss unbedingt achten. Das könnte dir später mal viel Geld sparen.
Hilfsmittel
In der privaten Krankenversicherung hast du Anspruch auf sogenannte Hilfsmittel.
Das sind zum Beispiel:
- Prothesen
- Gehhilfen
- Hörgeräte
- Brillen
- usw.
Einige Versicherer bestimmen in ihren Bedingungen ganz klar, auf welche Hilfsmittel du im Ernstfall Anspruch hast und auch wie viel maximal erstattet wird.
Das ist für dich allerdings ziemlich schlecht.
Denn zum einen werden hierbei vielleicht Hilfsmittel ausgeschlossen, die du später einmal brauchst und zum anderen gibt es in Zukunft evtl. Hilfsmittel, die heute einfach noch nicht bekannt und im Tarif somit automatisch ausgeschlossen sind.
Auch eine Deckelung von Beträgen, zum Beispiel maximal 500€ für Hörgeräte, sollte hier vermieden werden. (Wenn, dann keine Beträge in € sondern in %.)
Deshalb solltest du unbedingt auf einen „offenen Hilfsmittelkatalog“ achten, in dem also keine Begrenzung vorhanden ist.
Tarifwechsel
Achte auf die Möglichkeit eines Tarifwechsels ohne Gesundheitsfragen.
Den Tarif kannst du zwar grundsätzlich immer wechseln, musst dich allerdings erneut auf Gesundheitsfragen einstellen und somit auch auf höhere Beiträge, sollte in der Zwischenzeit etwas vorgefallen sein.
Tipp!
Eine gute Bewertung oder ein günstiger Preis auf einem Online Vergleichs Portal ist kein Grund, die Versicherung überstürzt abzuschließen.
Da die private Krankenversicherung zumeist eine Entscheidung fürs Leben darstellt, ist von vorschnellen Entscheidungen dringend abzuraten.
Informiere dich vorher genau und nimm dir etwas Zeit.
Ist diese Versicherung sinnvoll?
Sinnvoll ist diese Versicherung vor allem für diejenigen, welche für sich und evtl. Ihre Familie die bestmögliche medizinische Versorgung wünschen.
Hierbei ist zu beachten, dass diese Versicherung langfristig um einiges teurer ist als die gesetzliche Krankenkasse.
Überlege dir vor dem Abschluss also gut, welche Variante am besten zu dir passt.
Entscheidest du dich für die Private Krankenversicherung, empfehlen wir dir die Variante mit Altersrückstellungen, um den Beitrag möglichst stabil zu halten.
Du zahlst also heute etwas mehr, damit dein Beitrag in der Rente niedriger ist.
Nichts desto trotz solltest du den Abschluss der PKV mit einer ordentlichen Altersvorsorge-Strategie verbinden.
Um dir die hohen Beiträge im Ruhestand auch noch leisten zu können, solltest du etwas mehr in deine Altersvorsorge investieren.
Wie du richtig fürs Alter vorsorgst, erfährst du in unserem Artikel Risiko: Altersarmut.

