Risiko: Rechtsstreit

Ratgeber

 (2026)

10
 Minuten
Inhaltsverzeichnis

Kurz & Knapp

Eine Rechtsschutzversicherung...
zahlt die Kosten, die durch einen Rechtsstreit entstehen
versichert die Bereiche Privat-, Berufs-, Wohn- und Verkehrsrecht
schließt vor Vertragsabschluss bestehende Konflikte aus
ist für jeden sinnvoll, der sein Recht gerne durchsetzt und immerzu auf Anwaltliche Beratung zurückgreifen möchte

Was ist eine Rechtsschutzversicherung?

Recht haben und Recht bekommen ist zweierlei.
Nach einer forsa-Studie haben 71% der Deutschen Angst vor den Kosten eines Rechtsstreits und würden deshalb darauf verzichten, einen Anwalt einzuschalten, obwohl sie vielleicht im Recht sind und ihr Recht einfordern könnten/sollten.

Ein Rechtsstreit kostet Geld. Und oft mehr als man sich leisten kann.
Die Rechtsschutzversicherung hilft dir dabei, dein Recht vor Gericht durchzusetzen, ohne die hohen Anwalts- und Gerichtskosten fürchten zu müssen.
60% der Deutschen waren schon einmal in einen Rechtsstreit verwickelt.
Egal, ob dir jemand Unrecht angetan oder dich zu Unrecht beschuldigt hat, die Rechtsschutzversicherung steht dir sowohl beratend als auch finanziell zur Seite.
Mit einer solchen Versicherung hast du einen Anwalt immer in deiner Hosentasche dabei. Nur einen Anruf entfernt und das bestenfalls 24h am Tag.
Die Rechtsschutzversicherung teilt sich in folgende Bereiche auf:

  • Privat-,
  • Berufs-,
  • Wohn- und
  • Verkehrsrechtsschutz

Zu beachten ist, dass bereits vor Vertragsabschluss laufende Rechtsstreitigkeiten nicht mitversichert sind.

Was zahlt die Versicherung?

  • Gerichts- und Anwaltskosten
  • Auch die Anwaltskosten der Gegenpartei, wenn du einen Rechtsstreit verlierst
  • Kosten für Gutachten und Sachverständige
  • Zeugen
  • Kautionskosten (in der Regel weltweit)

Vorsätzliche Straftaten durch den Versicherungsnehmer, Streitigkeiten unter den Versicherungsnehmern (Familie) und Streitigkeiten rund um die Kapitalanlage (z.B. Falschberatung einer Bank) werden von der Versicherung nicht abgedeckt.
(Alternativ kannst du bei Falschberatung die Verbraucherzentrale zu Rate ziehen)

Im Strafrecht unterscheidet man zwischen
Vergehen:
Steuerhinterziehung, Betrug, Diebstahl, etc.
&
Straftaten:
schwere Körperverletzung, Mord, etc.
Viele Versicherungen gewähren dir hier nur bei einem Vergehen rechtlichen Beistand. Nicht aber bei einer Straftat.

In den meisten Rechtsschutzversicherungen sind Lebenspartner und Kinder, die im gleichen Haushalt wohnen, mitversichert.
In der Regel macht das die Versicherung auch nicht teurer.

Die Rechtsschutzversicherung unterstützt dich auch, wenn andere Versicherungen sich weigern, Schäden zu bezahlen. Zum Beispiel, wenn es um die Auszahlung deiner Berufsunfähigkeitsversicherung geht. Da es hier um viel Geld für die Versicherungen geht, prüfen diese ganz genau nach, ob der Anspruch gerechtfertigt ist und lehnen deinen Antrag oft einfach ab. Hierfür ist es wichtig, dass deine Rechtsschutzversicherung bei einer anderen Versicherungsgesellschaft ist, als deine bereits bestehenden oder neuen Versicherungen (Haftpflicht, Berufsunfähigkeit, usw.). Denn sonst kann es zu einem Interessenskonflikt kommen.
Keine Versicherung wird sich selbst verklagen.

Nahezu jeder Vertrag beinhaltet eine Selbstbeteiligung. Im Falle einer Inanspruchnahme des Rechtsschutzes musst du diese auf jeden Fall selbst tragen. Diese ist aber nicht besonders hoch. In der Regel zwischen 150€ - 300€. Die Versicherungen wollen so verhindern, dass man wegen jeder Kleinigkeit die Versicherung in Anspruch nimmt.

Was ist versichert?

Eine Rechtsschutzversicherung bildet nicht immer alle Bereiche des Lebens ab. Die meisten unterscheiden zwischen:

Privatrecht

Wohnrecht

Verkehrsrecht

Arbeitsrecht

Du kannst diese nach Belieben im Versicherungstarif ab- oder zubuchen.

Je mehr Bereiche du mit absichern möchtest, desto teurer wird die Versicherung natürlich. Bist du Rentner, benötigst du wahrscheinlich keinen Arbeitsrechtsschutz mehr und wohnst du in deiner eigenen Wohnung, brauchst du auch keinen Wohnrechtsschutz. Mache dir darüber Gedanken, was tatsächlich Sinn macht.

Beispiele für Privatrechtsschutz:

  • Durchsetzung von Schadenersatzforderungen
  • Betrug beim Online-Einkauf

Das Picknick

Jana C. ist Auszubildende und wohnt mit drei Freundinnen in einer WG. Um den Sommeranfang zu genießen, veranstalten sie am Samstagabend ein gemeinsames Picknick im Park. Dort kontrolliert die Polizei, ob sich die Besucher an die Vorschriften zum Infektionsschutz halten. Jana C. und ihre Freundinnen haben ihre Ausweise nicht dabei. Weil alle im gleichen Haushalt leben, gehen sie von einer Ausnahme der geltenden Regelungen aus. Aber die Polizisten lassen sich davon nicht überzeugen. Jana C. ruft daraufhin bei der 24-Stunden-ServiceLine der Rechtsschutz an. Dort bekommt sie den Tipp, den Polizisten den Mietvertrag der WG vorzulegen. Weil sie online darauf zugreifen kann, weist sie die häusliche Gemeinschaft sofort nach. So konnte sie verhindern, dass die vier Freundinnen ein Bußgeld von jeweils 100 Euro zahlen mussten. -> In diesem Fall war die Rechtsschutzversicherung wirklich nützlich.


Beispiele für Verkehrsrechtsschutz:

  • Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen nach einem Unfall
  • Defekter Neuwagen
  • Täuschung beim Autokauf

Beispiele für Arbeitsrechtsschutz:

  • Kündigung
  • Urlaubsverbot und Androhung unbezahlter Überstunden
    Beispiele für Wohnrechtsschutz:
  • Anfechtung der Nebenkostenabrechnung
  • Mieterhöhung
  • Kündigung des Mietverhältnisses (z.B. wg. Eigenbedarf)

    Bist du Vermieter?
    Streitigkeiten mit dem Mieter sind hier nicht enthalten. Dafür gibt es eine separate Vermieterrechtsschutzversicherung.

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Wie viel kostet ein Rechtsstreit?

Die finanzielle Belastung hängt zu Beginn vor allem von zwei Komponenten ab:
Der Anwaltsvergütung und den Gerichtsgebühren.
Beides wird anhand des Streitwerts berechnet. Dieser ist der in € ausgedrückte, materielle Wert deines Rechtsstreits.
Wenn du rechtsschutzversichert bist, fragt auch deine Versicherung zu Beginn nach dem voraussichtlichen Streitwert. Voraussichtlich deshalb, da sich dieser während des Verfahrens noch ändern kann. Etwa durch hinzukommende Forderungen kann sich der Streitwert und somit auch die Gerichts- und Anwaltskosten erhöhen.

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Die Rechtsschutzversicherung unterstützt dich auch, wenn Versicherungen sich weigern, Schäden zu bezahlen. Hierfür ist es wichtig, dass deine Rechtsschutzversicherung bei einer anderen Versicherungsgesellschaft ist als deine bereits bestehenden oder neuen Versicherungen (Haftpflicht, Berufsunfähigkeit, usw.). Denn sonst kann es zu einem Interessenskonflikt kommen.
Keine Versicherung wird sich selbst verklagen.

Worauf solltest du achten?

Rezensionen

Schau dir vor Vertragsabschluss auf jeden Fall die Bewertungen der Versicherung und deren Service an. Kundenerfahrungen sind goldwert.

Freie Anwaltswahl

Auf eine freie Anwaltswahl solltest du unbedingt achten. So kannst du dir selbst deinen Anwalt aussuchen.

Versicherungssumme

Im besten Fall ist diese bei deiner Versicherung unbegrenzt. Für gewöhnlich deckeln Versicherer Ihre Tarife bei 150.000€ pro Fall. Gerichtsverfahren können schnell sehr teuer werden. Eine unbegrenzte Deckungssumme ist somit empfehlenswert. (Kautionssumme sollte weltweit min. 100.000€ betragen!)

Weltweiter Schutz

Achte darauf, dass die Versicherung auch im Ausland gültig ist.

Person mitversichern

Lebst du mit jemandem zusammen, hast du die Möglichkeit, diese Person mitzuversichern. In der Regel kostet das keinen oder nur einen geringen Aufpreis. Die Versicherung muss darüber allerdings informiert sein. Automatisch ist niemand zusätzlich mitversichert.

24 Stunden erreichbar

Einige Versicherer bieten einen 24h Service an. Dieser ist wichtig, damit du auch zu später Stunde im Notfall einen Anwalt ans Telefon bekommst.

Selbstbeteiligung

Eine Selbstbeteiligung zu wählen, ist finanziell gesehen empfehlenswert, da hierdurch dein Beitrag sinkt und du kleine "Schäden" leicht selbst zahlen kannst. Es geht bei dieser Versicherung vor allem um kostenintensivere Streitigkeiten und die 24h-Beratung.
Tarife ohne Selbstbeteiligung sind meist wesentlich teurer.

Verzicht auf Wartezeiten

Dein Vertrag sollte keine Wartefrist enthalten. Einige Versicherer zahlen erst nach Ablauf einiger Monate. Solltest du innerhalb dieser Zeit in einen Rechtsstreit verwickelt werden, kannst du von der Versicherung kein Geld erwarten. Eine Kleinigkeit auf die man achten sollte.

Die Folge-Ereignis-Theorie

Um diese Klausel besser zu verstehen hier ein Beispiel:
Nehmen wir an, du kaufst dir ein neues Fahrrad bei einem Fahrradhändler.
Einige Wochen später schließt du eine Rechtsschutzversicherung ab. Im März des darauffolgenden Jahres bricht bei Benutzung des Fahrrades der Rahmen aufgrund eines Materialfehlers. Du stürzt dabei und verletzt dich.
Die von dir angestrebten Schadenersatzforderungen gegenüber dem Händler bzw. Produzenten des Fahrrades müsstest du nun mittels Anwalt durchsetzen.
Allerdings wird die Rechtsschutzversicherung, welche du nach dem Kauf des Fahrrades abgeschlossen hast, die Kosten wahrscheinlich nicht übernehmen, da die Ursache für den Schadensfall der Produktions- bzw. Materialfehler am Fahrrad ist.
Du hättest also idealerweise bereits zum Zeitpunkt der Herstellung des Fahrrades eine Privatrechtsschutz besitzen müssen.
Mit dieser Klausel hast du also auch die Sicherheit bei "Altfällen" geschützt zu sein.

Wie gehst du im Falle eines Rechtsstreits vor?

1. Versicherung anrufen

Die meisten Versicherer bieten eine 24h Hotline, die von Experten und Juristen besetzt ist.
Diese rufst du an und schilderst deinen Fall.
Man wird dich dann über deine Möglichkeiten und das weitere Vorgehen beraten.

2. Anwalt wählen

Du kannst dir nun einen eigenen Anwalt suchen oder einen passenden von der Versicherung empfehlen lassen. Die Erstberatung mit diesem Anwalt übernimmt deine Versicherung in der Regel immer.

3. Deckungszusage

Bevor du einen Anwalt nach der Erstberatung mit dem Fall beauftragst, benötigst du eine Deckungszusage von der Versicherung.
Lass dir diese schriftlich geben. Erst mit dieser Zusage kannst du sicher sein, dass deine Versicherung auch zahlt. In den meisten Fällen übernimmt dein Anwalt die Korrespondenz mit der Versicherung und kümmert sich auch darum, dass die Versicherung bezahlt. Halte mit diesem einfach Rücksprache.

4. Schadensmeldung

Jetzt engagiert entweder deine Versicherung oder du selbst einen Anwalt, welcher den Fall übernimmt.
Das kann natürlich auch der Anwalt sein, bei welchem du die Erstberatung eingeholt hast.
Daraufhin muss eine schriftliche Schadensmeldung an deine Versicherung erfolgen. Dies kann auch dein Rechtsbeistand übernehmen.

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Ist diese Versicherung sinnvoll?

Ob eine Versicherung für dich sinnvoll ist, kannst du dir ganz einfach mit folgender Frage beantworten:

"Kannst bzw. möchtest du dieses finanzielle Risiko selbst tragen?"

Also, bist du in der Lage, im Falle eines "Schadens" diesen aus eigener Tasche zu bezahlen?

In diesem Fall stellst du dir am besten folgende Fragen:

  • Wie hoch schätzt du selbst das Risiko ein?
  • Kannst du dir den Beitrag leisten?
  • Habe ich genug eigene Rücklagen für einen Rechtsstreit?

Bist du eher der Gerechtigkeitstyp, der gerne sein Recht durchsetzen möchte, ist diese Versicherung mit Sicherheit von Wert für dich.

Nicht selten kommt es leider vor, dass andere Versicherungen sich weigern, Leistungen auszuzahlen.
Dann bleibt Betroffenen oft nichts anderes übrig, als vor Gericht zu ziehen und ihr Recht einzuklagen.
Jedoch haben viele nicht das Geld und die Zeit, um um ihr Recht zu kämpfen und geben auf.

Da dies durchaus vorkommt, kann eine Rechtsschutzversicherung in solchen Fällen, in denen es immerhin um viel Geld geht, sehr nützlich sein.


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